Essstörungen

Aquarell-Schmetterling 7

Alle Lebewesen ernähren sich, da sie zur Aufrechterhaltung ihres inneren Gleichgewichts und für ihre Aktivitäten eine ständige Zufuhr von Energie aus der Umwelt benötigen. Gesundes Essverhalten wird vom natürlichen Hunger- und Sättigungsgefühl gesteuert. Zusätzlich haben seelische und Umgebungsfaktoren Einfluss, wie gegessen wird (z. B. je nach Stimmung, kulturellem und sozialen Kontext, Tagesrhythmus etc. werden andere Mengen oder andere Arten von Nahrung aufgenommen).  

 

Der Übergang zwischen gesundem und ungesunden Essverhalten ist fliessend. In der Schweiz sind gemäss einer Studie im Auftrag des BAG von 2020 3.5% der Bevölkerung im Laufe Ihres Lebens von einer Essstörung betroffen. Von "Essstörung" wird gesprochen, wenn die übermässige Beschäftigung mit Nahrungsaufnahme und Figur zu schädlichen körperlichen, psychischen und sozialen Konsequenzen führt. 

Arten von Essstörungen

Anorexie (Magersucht)

Als Betroffene*r haben Sie durch Fasten, übermässiges Sporttreiben oder Gebrauch von Medikamenten so viel abgenommen, dass der Körper und die Psyche geschädigt wird. Auslöser war der Wunsch, abzunehmen, mit der Zeit hat sich der Drang, noch schlanker zu werden, immer mehr verselbstständigt, und eine Angst, wieder zuzunehmen, dominiert. Gewissen Betroffenen fällt es mit der Zeit schwer, ihren Körper noch realistisch wahrzunehmen (die sog. Körperschemastörung), oder die Schädlichkeit des Verhaltens zu erkennen, andere möchten ihr Verhalten ändern, erleben es aber wie eine Sucht aus der sie sich aus eigenem Antrieb kaum befreien können. 

Bulimie
(Ess-Brech-Sucht)

Als Betroffene*r versuchen Sie, ihr Essverhalten und ihre Figur zu kontrollieren. Dies gelingt jedoch nur teil- oder phasenweise. Beherrscht von einem Gefühl des Kontrollverlusts verstossen Sie zeitweise immer wieder gegen die selbstauferlegten Regeln oder Sie erleben Essanfälle bei denen Lebensmittel "in sich hinein gestopft" werden. Im Laufe der Zeit versuchen Sie immer verzweifelter, ihr Essverhalten und Figur zu kontrollieren, indem Sie radikale, schädliche Massnahmen (wie übermässiges Fasten, Erbrechen, Sport in ungesundem Mass etc.) anwenden. Als Betroffene*r leiden Sie oft unter starken Gefühlen von Kontrollverlust und Körperscham.  

Binge-Eating-Störung
(Störung mit Essanfällen)

Als Betroffene*r erleben Sie im Alltag immer wieder Anfälle, bei denen Sie übermässige Mengen von Lebensmitteln "in sich hinein stopfen". Hinter den Essanfällen kann Frustessen, Stressessen oder Trostessen stecken. Teilweise nehmen die Betroffenen durch die Essanfälle zu. Sie leiden unter dem Gefühl des starken Kontrollverlusts und teilweise der Körperscham. Im Gegensatz zur Bulimie wenden die Betroffenen keine schädlichen gewichtskontrollierenden Massnahmen an.

Psychische Probleme bei Übergewicht & Adipositas

Starkes Übergewicht kann körperlich schädigen (i.S. von Adipositas). Menschen mit Übergewicht leiden zudem häufiger unter psychischen Problemen und psychischen Störungen, vermutlich aufgrund der häufigeren Diskriminierung und Benachteiligung, als Folge der körperlichen Einschränkungen oder aufgrund von Körperscham. Teilweise stecken auch hinter dem Übergewicht psychische Ursachen, da es sich beim Essverhalten um ein erlerntes Verhaltensmuster handelt und sich schädliche Gewohnheiten (z. B. Frustessen ) eingeschlichen haben können.

Atypische Essstörung

Neben den eindeutig definierten Essstörungen werden unter der "Atypischen Essstörung"

solche Essstörungsformen beschrieben, bei denen nicht alle Merkmale der oben beschriebenen Essstörungen vorhanden sind. Menschen mit atypischen Essstörungen haben aber keine weniger starke Form von Essstörung, sondern sie sind gemäss aktuellem Forschungsstand gleich stark oder auch stärker betroffen als Menschen mit Anorexie oder Bulimie (Turner et al. 2010). Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass Sie als Essstörungsbetroffene*r an einer atypischen Essstörung leiden, da es sich um die am weitesten verbreitete Essstörungsform handelt (Fairburn 2005). Zu den atypischen Essstörungen gehört beispielsweise die atpyische Anorexie, die atypische Bulimie, die Purging-Störung (Erbrechen zur Gewichtsregulation ohne Essanfälle) oder das Night-Eating-Syndrom (wiederkehrende nächtliche Essattacken).

Psychotherapie bei Essstörungen

Unterdessen gibt es nachweislich wirksame Psychotherapie-Verfahren, um Essstörungen zu überwinden. Je früher eine Essstörung behandelt wird, umso schneller und erfolgreicher verläuft eine Therapie. Dennoch dauert es durchschnittlich 2.5 (Anorexie) resp. 4.5 (Bulimie) Jahre, bis eine Essstörung entdeckt und behandelt wird (Austin et. al. 2021). Ein Grund ist vermutlich, dass die Grenze zwischen normalem und problematischem Essverhalten fliessend ist, so dass sich selbstschädigende Teufelskreise immer mehr einspielen können, bevor realisiert wird dass sich eine Störung ausgebildet hat. Des Weiteren handelt es sich bei der Art, wie die eigene Figur wahrgenommen wird, und beim Essverhalten um intime Bereiche, Körperscham und Scham über Kontrollverlust z. B. im Rahmen von Essanfällen kann es Ihnen als Betroffene*r schwer machen, sich gegenüber dem Umfeld und Fachpersonen zu öffnen.

Wenn Sie sich bei mir psychotherapeutisch unterstützen lassen, untersuchen wir als erstes Ihre Situation (die Essstörung und was Ihre Lebensumstände und Ihr Seelenleben sonst noch ausmacht). Als nächstes vereinbaren wir gemeinsam die Therapieziele. Z. T. benötigt die Zielklärung etwas Zeit, da Sie u. U. noch nicht wissen, was Sie wollen, resp. hin- und hergerissen sind. Als nächstes wenden wir konkrete Strategien an, um Ihren Zielen (z. B. im Bereich Essverhalten) näher zu kommen. Z. B. könnte ein Ziel sein, Achtsames Essen zu üben, oder Ihre Fähigkeit zum sog. Intuitiven Essen zu trainieren. Im Fokus steht dabei einerseits Ihr Verhalten, andererseits Ihre inneren Gedanken, inneren Regeln und Normen und Gefühle. Zusätzlich untersuchen wir, welche anderen psychischen Einflüsse für Ihr Problem eine Rolle spielen (z. B. Emotionales Essen, schwere Lebenserfahrungen etc.) und arbeiten bei Bedarf an diesen Einflüssen. Ich wende dabei Kognitive Verhaltenstherapie in Kombination mit anderen Verfahren (z. B. Emotionsfokussierte Therapie, Achtsamkeitsorientierte Therapie, Hypnotherapie) an, je nachdem, was es braucht und was Ihnen entspricht.

 

Gerne arbeite ich mit Ihrer*m Hausarzt*in bei der Behandlung der Essstörung zusammen, und auch mit weiteren Fachpersonen wie Ernährungsberater*innen und Körpertherapeut*innen.

Beratung von Angehörigen bei
Essstörungen

Als Angehörige*r müssen Sie tagtäglich selbstschädigendes Verhalten Ihres nahen Menschen mit ansehen. Dabei stetig, geduldig und ermutigend beizustehen, fordert viel Kraft. Es ist sehr schwierig, als Angehörige*r nicht zu sehr zu drängen, zu zwingen, zu sehr zu schonen, zu sehr mitzuschwingen, überzubehüten etc., sondern sein Bestes an Beistand zu geben, ohne sich dabei selbst zu vernachlässigen. Als Psychotherapeutin mit viel Erfahrung in der Unterstützung von Angehörigen kann ich Sie beraten und Ihnen helfen, besser mit der herausfordernden Situation umzugehen.

Weiterbildung und Supervision bei Essstörungen

Ich führe ich öffentliche Veranstaltungen für Betroffene, Angehörige und Fachpersonen sowie Weiterbildungen für Fachpersonen im Bereich Essstörungen durch. 

 

 

Ebenfalls biete ich essstörungsspezifische Supervision für Fachpersonen an.

Die Weiterbildung und Supervision kann auch bei Ihnen vor Ort oder als Videokonferenz erfolgen.

Meine Kompetenz im Bereich Essstörungen

 
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Während meines Studiums in Psychologie begann ich, mich mit Essstörungen und Psychotherapie bei Essstörungen zu beschäftigen. Zwischen 2008 und 2016 bekam ich an der Privatklinik Wyss in Münchenbuchsee den Auftrag, die dortige Essstörungsbehandlung zu leiten und weiterzuentwickeln. Insbesondere baute ich den ambulanten Teil der Essstörungsbehandlung weiter aus, wozu auch gehörte ein Netzwerk mit anderen Fachpersonen im Bereich zu knüpfen, Zusätzlich  und engagierte ich mich öffentlich für die Unterstützung von Menschen mit Essstörungen. In meiner Praxis, welche ich 2015 gründete, bildet die Essstörungsbehandlung ein wichtiger Schwerpunkt. 

Mitgliedschaft

Schweizerische Gesellschaft für Essstörungen SGES 

Literaturhinweise

Eigene Veröffentlichung:

Psychoscope 7/11   Wie ernährt man die Seele? Artikel zu Essstörungen

Ausgewählte Literaturempfehlungen:

https://www.bag.admin.ch/bag/de/home/gesund-leben/gesundheitsfoerderung-und-praevention/koerpergewicht/essstoerungen.html

 

Ulrike Schmid, Janet Trasure: "Die Bulimie besiegen". Beltz 1993

Georg Eifert, C. Alix Timko: "Mehr vom Leben- Wege aus der Anorexie ". Beltz 2012

Janet Trasure, Grainne Smith & Anna Crane: "Skills-based Learning for Caring for a Loved One with an Eating Disorder". Routlege 2007

Rückmeldungen von Klient*innen

"Ich fühle mich bei Frau Jaggi sicher und verstanden."

Kontakt

lic. phil. Verena Jaggi

eidg. anerkannte Psychotherapeutin

Fachpsychologin für Psychotherapie FSP

Postgasse 44

3011 Bern

Mobiltelefon Praxis: +41 78 641 43 31

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